Klatsch & Tratsch

31.10.2020 – Halloween

Liebe Hamburger,

lasst uns bitte einmal darüber reden: Was stimmt mit euch am 31.10 nicht?

Fangen wir damit an, dass der 31.10 in Hamburg ein Feiertag ist. Es ist Reformationstag; nicht Halloween und auch nicht The Purge¹. Trotzdem verhält man sich, als sei ein Notstand ausgebrochen und alle Regeln würde nicht mehr gelten.

In der alten Wohnung war Halloween noch ertragbarer (Die Bausubstanz war auch deutlich jünger (2000) und daher besser isoliert als hier in einem 1955 aus Trümmern geschaffenen Mehrparteien-Haus). Da sind auch nur die jungen Hühner mit ihren High Heels laut schnatternd das Treppenhaus erst hoch und einige Zeit später wieder runter gestöckelt.

Aber in der neuen Wohnung.
Puh.

Um 06:30 Uhr wurde erst mal gehämmert. Vielleicht gab man seinem Kostüm als „lebender Sarg“ seinen letzten Schliff und haute den Deckel fest. Aber so cool die Idee auch klingen mag, ist es um 06:30 Uhr ziemlich asi. Es folgte eine musikalische Dauerbeschallung gräßlichster Katzenmusik bis Mittags. Letzteres ist leider halb zulässig und beim Hämmern war ich nicht fit genug aufzustehen, um beim Nachbarn zu klingeln. Aber wenigstens motivierte mich die Scheiße genug, um mal einen Blick in den Mietvertrag und der dazugehörigen Hausordnung zu werfen: Werktags ist die Ruhe von 21:00 bis 07:00 Uhr und von 13:00 bis 15:00 Uhr einzuhalten und an Sonn- und Feiertagen sogar bis 09:00 Uhr. Ja gut, es stand halt nur meine Faulheit im Wege. Selbst Schuld.

Optimistisch wie ich bin, erwartete ich, dass ich mir diese Operette einer Katze, die gerade überfahren wurde, auch noch abends antun dürfte.
Ich blieb aber verschont.

Halbwegs.

Die Nachbarn nebenan – anderes Gebäude, anderer Vermieter – hatten sich einen Stand-up-Komödianten eingeladen. Die Dame hatte ein sehr penetrantes Sprachorgan und schien auch die Einzige zu sein, die über ihre Witze lachte. Ihre Performance ging bis 00:30 Uhr, erzählte mir der Herr Freund. Der blieb standhaft im Bett liegen, während ich mich aufs Sofa verkroch, um dort meine Nachtruhe zu genießen.

… Bis um 06:30 Uhr am 01.11. – und sich der Nachbar scheinbar aus seinem „lebenden Sarg“-Kostüm hämmerte.

Mal von meiner eigenen Leidensgeschichte abgesehen, las ich sonntags – in einer äußerst zuverlässigen Zeitung – noch von brennenden Mülltonnen, explodierenden Zigarettenautomaten und randalierenden Jugendlichen.

Das sind so Sache, da frag ich mich: War das zu meiner Jugend auch schon so? Muss das sein?
Aber viel mehr frag ich mich, was man um 06:30 Uhr an einem Feiertag und Sonntag hämmern muss.


1. https://de.wikipedia.org/wiki/The_Purge_%E2%80%93_Die_S%C3%A4uberung

1 Kommentar Neuen Kommentar hinzufügen

  1. Dany sagt:

    Puh, wo seid ihr denn da gelandet?! Aber es tröstet mich gerade ein bisschen, dass nicht nur unsere Nachbarn sich nach dem Umzug als anstrengend entpuppt haben. 😀
    Und wer ist am Wochenende überhaupt schon um 6:30 wach um den Hammer zu schwingen?!

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